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Schon in der Antike wusste man: Ein Mensch, der wirklich gut sein will, muss auch die Kraft haben, sein Gutsein zu leben. In diesem Zusammenhang spricht man von den vier Grundtugenden, auch Kardinaltugenden genannt. Damit ist nicht der Kirchenmann in Rot gemeint, sondern dahinter steckt das Wort "cardo", Türangel: dieses Wort will zeigen, was diese Tugenden bewirken: sie wollen den Durchgang zum Heil, zur Vollendung des Menschen sichern. Sie sprechen vom Richtigsein des Menschen und von seiner Fähigkeit, in Einsicht, Vernunft und Entscheidung das Gute zu erkennen und es auch zu tun. Diese Fähigkeit hat der Mensch nicht von sich selbst; sie ist ihm gegeben und anvertraut von Gott. Und diese Fähigkeit ist immer in Gefahr, sich zu verkehren und zu verderben. Davon muss auch gesprochen werden. Besonders die Tugend der Klugheit steht in Gefahr, missverstanden zu werden. Es gibt die richtige und es gibt die falsche Klugheit.
Für Paulus ist das Kreuz Christi das entscheidende Zeichen, das die falsche Klugheit entlarvt. Diese falsche Klugheit nennt er die "Weisheit der Welt" (1 Kor 1,20). Das, was der Welt als klug und weise vorkommt, ist in Wahrheit töricht, und das Törichte in der Welt ist in Wahrheit klug und weise. Dieses Paradox kann man nur auflösen von der Mitte des Kreuzes her. Nur dem Glaubenden, dem, der das Kreuz annimmt, erschließt sich die wahre Klugheit, erschließt sich die Weisheit Gottes, die in der Tugend der menschlichen Klugheit ihren Widerschein findet.
Die Klugheit ist auf der Suche nach der Wahrheit. Mit anderen Worten: nur der ist klug, der die Wahrheit liebt und ihr nicht aus dem Weg geht. Die Wahrheit ist nicht immer bequem. Klugheit bedeutet nun gerade nicht, sich aus dem Ganzen der Wahrheit das Passende auszusuchen und für sich nutzbar zu machen. Das wäre nur Schlauheit oder sogar Gerissenheit.
Wahre Klugheit unterscheidet sich wesentlich von der Gerissenheit. Wahre Klugheit will nicht ausnützen, sie will dienen. Letztlich dient sie der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Das, was wahr und richtig ist, erkennt der kluge Mensch und wendet es in angemessener Weise auf die richtige Situation an. Dabei berücksichtigt er auch die Möglichkeiten, die er hat, und nimmt Rücksicht auf die Menschen, mit denen er zu tun hat.
Jesus selbst vergleicht den klugen Menschen mit einem, der einen Turm bauen will, sich aber vorher hinsetzt und ausrechnet, ob seine Mittel auch wirklich ausreichen (Lk 14,28). Ein Turm, das ist ein großes Vorhaben, vielleicht sogar ein Vorhaben zur Ehre Gottes. Doch zu der großartigen Idee muss die Klugheit kommen. Sonst würde am Ende die Idee an sich in Verruf geraten.
Am Schluss der Bergpredigt macht Jesus einen anderen Vergleich. Er sagt, dass der kluge Mensch der ist, der die Worte Jesu nicht nur hört, sondern auch danach handelt. Sonst wäre er wie ein Mann, der sein Haus auf Sand baut und dessen Bau durch den ersten Regen oder Sturm zerstört wird (vgl. Mt 7,26 f). Das Haus steht hier für das Leben eines Menschen, für seinen Lebensentwurf und für den Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit. Aber dieser Wunsch ist auf Sand gebaut, wenn nicht die Klugheit hilft, das Richtige zu erkennen und es auch zu tun. - Auch hier ist die Tugend der Klugheit verknüpft mit der Bereitschaft, das Gute in der Wahrheit zu suchen und anzunehmen.
Dieser Weg der Wahrheit und der Gerechtigkeit ist exemplarisch vorgegeben im Weg des Erlösers. Dieser Weg ist ein Weg, der in die Erniedrigung führt: Krippe, menschliches Leben, Kreuz ... Das hat zu allen Zeiten Anstoß erregt. Die Klugheit ist nicht eine Tugend, die versucht, den Anstoß zu vermeiden. Sie ist auch bereit, Stellung zu beziehen, da, wo es sein muss. Klugheit hat so auch mit Entschiedenheit und Tapferkeit zu tun.
Noch ein weiteres ist wichtig, wenn wir über die Klugheit nachdenken: Die Klugheit als Tugend des Menschen richtet sich aus nach dem Gewissen, nach dem Gewissen, das sich bilden und formen lässt. Darauf macht der aus Elte bei Rheine stammende Philosoph Josef Pieper aufmerksam. Die Klugheit macht nicht nur den Weg frei zu einem Urteil, ob etwas gut oder böse, richtig oder falsch ist. Sondern sie führt auch zu einem inneren Befehl, das zu tun und auszuführen, was der Sache gemäß ist und zum guten Ziel führt.
Der heilige Thomas von Aquin hat die Klugheit die "Gebärerin" der übrigen Grundtugenden genannt. Sie ist eine Tugend, sich richtig und angemessen zu entscheiden. Und damit ist die Klugheit eine Eigenschaft, die in unserer Zeit immer wichtiger wird!



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